Vom Sämann 2.0 – Die Andacht von Christoph Belgardt

Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis: »Ein Bauer ging aufs Feld, um sein Getreide auszusäen. Als er die Körner ausstreute, fielen ein paar von ihnen auf den Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt. Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen zwar auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten die Pflänzchen. Wieder andere Körner fielen mitten ins Dornengestrüpp. Dieses schoss zusammen mit der jungen Saat in die Höhe, so dass es sie schließlich erstickte.

Die übrigen Körner aber fielen auf fruchtbaren Boden, gingen auf und brachten das Hundertfache der Aussaat als Ertrag. « Nachdem Jesus das gesagt hatte, rief er: »Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören! «

Lukas 8 4. – 8.

Das ist eine unmögliche Geschichte. Was für ein Versager, dieser Bauer, denken die, denen Jesus dieses abstruse Gleichnis erzählt. So geht kein Bauer mit seinem kostbaren Saatgut um. Der hat ja überhaupt keine Ahnung von der Landwirtschaft. Gedankenlos verschwendet er drei Viertel seines Saatgutes. Davon hängt doch schließlich sein Schicksal ab und auch das seiner Familie.

Sämann bei untergehender Sonne – Vincent van Gogh [Public domain], via Wikimedia Commons

Von jeder Ernte muss ein Teil für die Aussaat im nächsten Jahr zurückgelegt werden. Bei einer guten Ernte ist das kein Problem, man kann gut mit einem großen Rest über den Winter kommen. Aber wehe, die Ernte war schlecht. Die Vorräte reichen hinten und vorne nicht. Man muss sich einschränken und wenn man doch nicht mit den Vorräten auskommt und der Hunger droht, bleibt nichts mehr übrig, als das dringend benötigte Korn für die nächste Saat aufzuessen.

Aber was dann? Wer kein Saatgut mehr hat, kann im Frühjahr nicht neu aussäen. Wer das nicht kann, kann auch nichts mehr ernten. Wieder droht der Hunger. Wer sein Saatgut aufgegessen hat, muss neues kaufen. Aber die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage. Schon die Propheten des Alten Testamentes beklagen, dass Spekulanten mit der Not der armen Bauern sich eine goldene Nase verdienen. Sie spekulieren auf Missernten. Nach schlechten Ernten verlangen sie Wucherpreise für das Korn. Sie haben es gehortet, um es in Zeiten der Knappheit teuer zu verkaufen.

Da sie kein Geld haben, müssen sich die armen Bauern bei ihnen verschulden. Wehe ihnen, es droht wieder eine schlechte Ernte. Wenn sie die Kredite nicht zurückzahlen, verlieren sie ihr Land, das sie als Pfand für das Darlehen geben mussten und damit ihre Lebensgrundlage. Sie landen samt ihrer Familie als Schuldsklaven bei einem der reichen Großgrundbesitzer. Immer mehr kostbares Ackerland gerät so in die Hände dieser skrupellosen Lebensmittel-Spekulanten.

Dieser verantwortungslose Bauer verschleudert also im wahrsten Sinne seine Zukunft. Gedankenlos schmeißt er die Körner in der Gegend herum, statt sie mühsam und sorgfältig in die Furchen des gepflügten Feldes zu säen. Was für ein Verlierer. Sicher werden seine Felder bald einem der reichen Spekulanten gehören und er wird ein Schuldsklave sein.

Jesus vergleicht Gott mit diesem gedankenlosen Sämann. Ist Gott einer der großen Verlierer, einer der realitätsfern mit Gegenwart und Zukunft umgeht? Verschwendet er sein Wort sinnlos an zu Viele, an Jede und Jeden ohne Aussichten auf Erfolg. Ist er einer, der ständig redet und niemand hört richtig zu?

Jesus sieht die Menschenmenge, die aus den umliegenden Städten zusammen strömt, um ihn zu hören und vor allem seine Heilungswunder zu erleben. Die Jünger haben große Erwartungen: „Jetzt wird er sie alle bekehren und sie werde sich unserer „Jesus-Bewegung“ anschließen. Bald werden alle zu uns gehören und dann haben wir hier in Israel das Sagen“.

Aber Jesus warnt sie: Ihr werdet nie in der Mehrheit sein. Macht euch nicht abhängig von Zahlen und lasst euch nicht entmutigen, weil ihr doch nur zu einer Minderheit gehören werdet.

Große Zahlen sind oft ein Argument für den Erfolg. Großveranstaltungen berauschen sich durch Menschenmassen. Oft verkünden Veranstalter von Evangelisationen stolz, dass viele Menschen bei ihnen „zum Glauben gekommen sind“? Aber wo sind die, wenn einige Zeit vergangen ist und die Evangelisten schon längst weitergezogen sind? Jesus sieht das nüchtern. Selbst er hat es erlebt, dass Menschen sich wieder von ihm abwenden, weil „seine Rede zu hart ist“. Von zehn geheilten Aussätzigen kommt nur einer zu ihm zurück. Eine Erfolgsquote von 10 Prozent ist ziemlich niederschmetternd! Das Strohfeuer der ersten Begeisterung ist verbrannt. Der Alltag hat sie wieder eingeholt und ein Glaube, der nur aus Begeisterung besteht, trägt dann nicht mehr. Er ist nicht alltagstauglich.

Aber Jesus sieht auch Menschen, deren Glauben fest in ihrem Leben verwurzelt ist, weil sie erfahren haben, dass auch grandiose Niederlagen, Ängste, Einsamkeit, Zweifel. Heimatlosigkeit, Spott, Mutlosigkeit und Resignation zum Leben gehören. Da ist keine mehr Spur mehr von einem „sieghaften“ Leben. Aber sie sind mit Jesus unterwegs Er hat das alles selbst erlebt und weiß wie es ihnen dabei geht und sie haben erfahren, er steht bedingungslos an ihrer Seite.

Jesus übertreibt in seinem Gleichnis maßlos, denn es ist unmöglich, dass auch das fruchtbarste Ackerland hundertfachen Ertrag bringt. Zu seiner Zeit ist ein siebenfacher Ertrag schon ein großer Erfolg. Wie schon gesagt: Eine unmögliche Geschichte

Aber auch hier gilt: „Seid Realisten, erwartet das Unmögliche“. Gott redet nicht vergebens. Auch wenn sein Wort kaum jemand erreicht und es scheinbar wirkungslos verpufft, ist es ein durchschlagender Erfolg bei der kleinen Minderheit, die Gott zuhört und versteht. „Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören!“ Da ist mehr als ein Strohfeuer der Begeisterung übrig geblieben. Dieser kleine Rest wird zum „Salz der Erde“. Er würzt die Welt, aber versalzt sie nicht. Er ist der Keim für die Zukunft der Welt.

Jesus sagt einmal „an den Früchten sollt ihr sie erkennen“. Große begeisterte Menschenmassen sind nicht entscheidend, sondern eine kleine Minderheit, mit der Jesus durch die Höhen, aber auch durch die Tiefen des Lebens geht und sie werden es sein, mit denen er die Welt verändert, ihr eine Zukunft gibt, auch für die anscheinend verlorenen anderen drei Viertel.

 

von Christoph Belgardt

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