Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Hesekiel 36. 26 und 27

Es war eine Katastrophe für die Menschen, die nun am Fluss Kebar in Babylonien wohnten. Schon fünf Jahre war es her, dass die Babylonier Jerusalem eroberten und König Jojachin und Teile der Oberschicht des Reststaates Juda nach Babylon deportierten. Doch nichts hatte sich getan, was diesen trostlosen Zustand beenden könnte. Wo war ihr Gott. Warum hatte er es zugelassen. Sie waren doch sein Volk. Er war doch ihre Versicherung.

Mitten unter diesen deprimierten Menschen lebte Hesekiel. Er gehörte zu den Priestern, die noch vor Jahren im jetzt zerstörten Tempel von Jerusalem Dienst getan hatte. Ach wie schön waren die Gottesdienste, die sie gefeiert hatten. Und womit hatte Gott es ihnen gedankt. Gnadenlos hatte er sie dem König Nebukadnezar ausgeliefert. Auch jetzt hatte er nichts getan um das Unrecht, das ihnen zugefügt wurde, zu beenden. Ihr Gott hatte sie verraten und verlassen.

Aber nun tut sich etwas Seltsames. Hesekiel berichtet: „Im dreißigsten Jahr am fünften Tage des vierten Monats, als ich inmitten der Verschleppten am Fluss Kebar war, tat sich der Himmel auf, und ich sah Erscheinungen Gottes. Am fünften Tag des Monats – es war das fünfte Jahr, nachdem der König Jojachin gefangen weggeführt war, da geschah das Wort des HERRN zu Hesekiel, dem Sohn des Busi, dem Priester, im Lande der Chaldäer am Fluss Kebar. Dort kam die Hand des HERRN über ihn.“ (Hes. 1..1 – 4).

Hesekiel erhält den Auftrag, als Aktionskünstler auf die Straßen zu gehen und eine Botschaft Gottes an sein Volk zu verkünden:

Nicht ich habe euch verraten, ihr habt mich verraten. Ich wurde Euch zu unbequem. Ich habe euer gemütliches sattes Leben gestört. Ihr habt euch andere Götter gesucht, die euch in Ruhe ließen. Euer Wohlstand und euer gutes Leben wurden eure Götter. Ich habe euch meine Propheten geschickt, die euch sagten, wenn ihr so weitermacht wie bisher wird es schlimm ausgehen. Aber ihr habt lieber auf eure eigenen gut bezahlten „Propheten“ gehört, die euch nach dem Munde redeten und eure Gottesdienste sind zu einer reinen Show geworden. Darum sagt euch Gott: „ Siehe, die Fürsten Israels, ein jeder in dir pocht auf seine Macht, Blut zu vergießen. Vater und Mutter verachten sie, den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht an in deiner Mitte, die Witwen und Waisen bedrücken sie. Du verachtest, was mir heilig ist, und entheiligst meine Sabbate.“ „Bestechungsgeschenke nimmt man in dir, um Blut zu vergießen; Zins und Aufschlag nimmst du und übervorteilst deinen Nächsten mit Gewalt. Mich aber vergisst du, spricht der Herr. Und siehe, ich schlage in meine Hand wegen deines unrechten Gewinns, den du gemacht hast, und über deine Blutschuld, die in deiner Mitte ist“ (Hes. 22).

Gott verzweifelt an seinem Volk. Was soll er noch machen, damit es wieder zu ihm zurückkehrt?

Er macht ihnen ein Angebot: „Wenn ich einem Menschen, der mich verachtet, den Tod androhe, und er wendet sich ab von dem, was er bisher getan hat, wenn er nun für Recht und Gerechtigkeit eintritt, seinem Schuldner das Pfand zurückgibt, erstattet, was er gestohlen hat, und kein Unrecht mehr begeht, sondern die Gebote befolgt, die zum Leben führen – dann muss er nicht sterben. Die Schuld, die er früher auf sich geladen hat, rechne ich ihm nicht mehr an. Weil er nun für Recht und Gerechtigkeit eintritt, wird er am Leben bleiben.“ Hes. 33

Und er macht noch ein zusätzliches Angebot: Kommt zu mir, wenn ihr es alleine nicht schafft: ich will euch verändern. Hab- und Machtgier, Geiz, Vorurteile und falsche Ängste haben euer Herz und Gewissen so verhärtet, dass ihr zu Unmenschen wurdet. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben, dass ihr wieder zu Menschen werdet.

Wir stehen am Beginn des Jahres 2017. Hesekiel hör mal: 2016 war kein gutes Jahr. Vieles wird dir bekannt vorkommen: Mit Terror, Drohungen, Lügen, Falschmeldungen, Verleumdungen, kruden Verschwörungstheorien und Verbreitung von diffusen Ängsten wird Politik gemacht. Immer mehr Machtmenschen, „starke Männer“ und Despoten haben einfache und leider falsche Antworten auf existentielle Fragen. Ihre Kritiker werden moralisch und immer öfter auch körperlich niedergemacht.

Gewinnoptimierung und Wachstum sind die Ziele der Wirtschaft, nicht die Versorgung der Menschen mit dem, was zum Leben benötigt wird. Da kann man auch schon mal bei Produktangaben betrügen, die „mündigen“ Verbraucher vergessen schnell, denn ihr bequemer SUV bringt sie überall hin, auch wenn er eine Menge mehr Kraftstoff verbraucht und die Umwelt wesentlich mehr belastet als der Hersteller angibt. Das so viele Menschen unter Feinstaub, Lärm und Abgasen leiden und einige daran sterben, muss man für eine „mobile“ Gesellschaft in Kauf nehmen.

Neueste Berechnungen ergeben: Wenn der Ressourcenverbrauch der Einwohner Nordrhein-Westfalens auf die gesamte Menschheit hochrechnet wird, braucht es dreieinhalb Erden um alle auf den gleichen Lebensstandard zu bringen.

Die Schere zwischen Arm und Reich wird ständig größer. Aber jede Kritik darüber wird als Neidkultur abgebügelt. Hesekiel, die anderen Propheten und auch Jesus – Vertreter einer Neidkultur? Schon Mose sagte im Auftrag seines Gottes: „Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein…“ 5. Mose 15.4

Tausende Menschen sterben bei Bürgerkriegen, an Hunger, Krankheiten oder bei Terroranschlägen. Das „christliche Abendland“ schaut zu und ist starr vor Angst, dass verzweifelte Menschennach nach Europa fliehen könnten. Unser westlicher Lebensstil, unsere „Leitkultur“ und unser Wohlstand könnten in Gefahr geraten. Dazu kommt der diffuse Verdacht, jeder Flüchtling könnte ja auch kriminell oder ein Terrorist sein.

Dann nimmt man lieber in Kauf, dass sie jämmerlich im Mittelmeer ertrinken. Es ist zwar schlimm, aber was sollen wir machen? Zäune, Mauern und zweifelhafte Bündnisse mit Erstaufnahmestaaten werden die uns vom Leibe halten, die es doch über das Mittelmeer geschafft haben.

Wer sich für Menschen engagiert wird als „Gutmensch“ abgewertet, aber dann müssten ja eigentlich alle anderen „Schlechtmenschen“ sein.

Die Christen feiern einen Event-Gottesdienst nach dem anderen und beschäftigen sich doch lieber mit ihren eigenen kleinlichen Problemen, streiten sich darüber, wer und was „bibeltreu“ ist oder doch nicht, und wer eigentlich nicht zu ihnen gehört.

Das ist leider nicht alles, man könnte noch stundenlang darüber diskutieren was 2016 nicht gut gelaufen ist. Hör mal Hesekiel, das klingt alles ziemlich zynisch und nach Resignation, dir kommt sicher vieles bekannt vor, aber was können wir 2017 tun?

Der Vers 26 ist die Losung und auch vielleicht die Lösung für das neue Jahr. Lernt aus dem, was 2016 falsch gelaufen ist. Schon der Prophet Micha meinte: „Der Herr hat euch doch längst gesagt, was gut ist! Er fordert von euch nur eines: Haltet euch an das Recht, begegnet anderen mit Güte, und lebt in Ehrfurcht vor eurem Gott!“. Macht nicht euren Wohlstand, euren Lebensstil oder eure Herkunft zu eurem Gott, das wird schlimm enden. Ihr werdet mit sehenden Augen in euer Verderben rennen. Gottes Angebot steht noch immer. Kommt, er wird euch den Geist der freien Kinder Gottes geben, die sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Wenn ihr noch nicht wisst, wie das gehen soll: Es gibt schon viele, die diesen Weg mit Gott gehen, und Gott hat euch reichlich Verstand und Phantasie für neue Wege und Gedanken mitgegeben.

Jesus hatte diesen neuen Geist und das neue Herz von Gott:

Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, den Blinden sage ich, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten, dass sie bald von jeder Gewalt befreit sein sollen.

Ich rufe ihnen zu: Jetzt erlässt Gott eure Schuld.“

Jesus rollte die Buchrolle zusammen, gab sie dem Synagogendiener zurück und setzte sich. Alle blickten ihn erwartungsvoll an.

Er begann: „Heute hat sich diese Voraussage des Propheten erfüllt.“

Lukas 4

Gehen wir mit Ihm.

Christoph Belgardt

Kategorien: Andachten

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