Andacht: „So spricht der HERR Zebaoth“

So spricht der HERR Zebaoth: Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden „einen“ jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist.                                                                                                         Sacharja 8

 

„Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen“               Helmut Schmidt

„Ohne Visionen verwildert das Volk“                     Sprüche 29.18

 

Jesaja in einem Fresko in der Sixtinischen Kapelle (Michelangelo, 1509)

Jesaja in einem Fresko in der Sixtinischen Kapelle (Michelangelo, 1509)

Bald 70 Jahre ist es her, dass die Elite des  judäischen Staates nach Babylon verschleppt wurde. Im Gegensatz zu ihrem israelitischen Brudervolk haben sie aber noch Glück im Unglück. Sie können zusammen bleiben und eine judäische Kolonie in Babylon bilden. Einige haben sich an das Leben in der Weltstadt angepasst. Sie haben sich eingerichtet und führen ein gutes Leben. Sie dürfen ihren Glauben frei  leben  und haben die ersten Synagogen für ihre Gottesdienste gebaut, denn ein neuer  Tempel  in Jerusalem scheint unerreichbar. Viele sind schon in Babylon geboren und kennen die Heimat nur vom Hörensagen. Warum nicht hierbleiben und die Annehmlichkeiten einer Weltstadt genießen? Aber da sind noch andere, die sich  doch noch nach  ihrer alten Heimat sehnen: Nach Jerusalem und Juda, nach der Zeit als die mächtigen Könige David und Salomo das Land zu Größe und Blüte führten.  War früher nicht alles besser? Ist eine Rückkehr zu den guten alten Zeiten vielleicht doch nur eine unerfüllbare Sehnsucht?

Was hat Gott mit ihnen vor? Warum unternimmt er nichts,  um sie zurück nach Jerusalem zu bringen? Kann er mit diesem kümmerlichen Rest des Volkes nichts mehr anfangen?

Er hat Propheten berufen,  die die Heimkehr ankündigen solle.  Einer dieser  Propheten  ist Sacharja. Der hat Visionen. Er sieht Bilder, die wir aus den  verschiedenen Apokalypsen der Bibeln kennen.

Aber diese Bilder verheißen nicht die  Wiederherstellung des alten mächtigen Reiches,  sondern einen neuen Anfang. Gott erbarmt sich über den kümmerlichen Rest seines Volkes. Aber der Neuanfang wird anders sein als erwartet. Gott wird mit seinem Volk neue Wege gehen. Wer sich nach den guten alten Zeiten zurücksehnt, muss sich umstellen. Diese Zeiten wird es nie wieder geben. Neues ist angesagt!

In seinen Visionen erlebt der Prophet die berühmten vier apokalyptischen Reiter. Sie wurden ausgesandt um zu erkunden, was in der Welt im Gange ist. Sie haben keine gute Nachricht: Die Welt liegt still und ruhig da.  Eigentlich eine beruhigende Nachricht,  aber Sacharja erfüllt sie  mit Unruhe. Es deutet nichts darauf hin, dass die Zeiten sich ändern,  dass ihr Gott schon am Werk ist und sie aus der Gefangenschaft befreit. Hat Gott sich doch noch nicht aufgemacht um sein Volk zu retten?  Ein Grund zur Resignation? Nein!  Denn Sacharja  hat noch  mehr  Bilder empfangen. Aus diesem kümmerlichen Rest des Volkes werden einmal Menschen kommen über die es Gerüchte gibt:  Man erzählt sich, dass Gott mit ihnen ist.

Aber warum sollte Gott mit ausgerechnet ihnen sein? Weil sie so tolle geniale Selbstdarsteller sind?  Weil sie eine  Botschaft voller Power und Macht haben? Weil jeder ihrer Gottesdienste ein Event ist? Nein! Eigentlich kann man mit diesem kümmerlichen Rest doch nur Mitleid haben.  Aber sie sind nicht verlassen. Sie haben die Vision von einer neuen Welt Gottes. Sie leben aus der Hoffnung, dass ihr Gott auf dem Weg ist und die Zeiten sich ändern.  Gott wird diese Welt verändern  und er braucht Menschen,  deren Leben ein Zeichen dafür ist. Menschen, die sich auf Neues, auf eine neue Welt Gottes einlassen. Sie sollen ein Vortrupp dieser neuen Welt sein. Sie sind nicht besser oder schlechter als ihre Nachbarn, aber bei  ihnen, trotz all ihrer Schwächen und Fehler, scheint Gott auf in ihrem Leben.  Das wird sie anziehend machen für Menschen, die auf der Suche nach Gott sind.

Das Wort „ruach“ kommt häufig im Alten Testament vor. Der Sinn ist doppelt belegt. Zum einen ist „Wind“ eine Übersetzung, zum anderen bezeichnet es den Geist Gottes. Ein schönes Bild:  Ein neuer Wind weht, der Geist Gottes ist unterwegs und verändert Menschen und die Welt.  Dafür sollen sie Zeugen sein.

Wie das geschehen kann, beschreibt ein „Kollege“ von Sacharja, der Prophet Jesaja:

 

 

Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe.

»Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.

Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: „Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne“.                        

Jesaja 58


Christoph Belgardt

 

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Hans Martin sagt:

    Lieber Christoph,

    gerade habe ich Deine Andacht gelesen und möchte Dir dafür danken. Ich spüre, wie ernsthaft Du Dich mit dem biblischen Text auseinandergesetzt hast und fühle mich Dir tief verbunden. Besonders haben mir die beiden vorangestellten Zitate in diesem Zusammenhang gefallen. Denn was würde aus unserem Glauben, wenn wir nicht mehr träumen würden, so intensiv, dass unser Träumen uns zum Handeln treibt.

    Einen Hinweis noch: Zunächst hatte ich versucht, die Andacht auf dem iPhone (iPad) zu lesen, aber da führt der Link „Weiter“ in die Irre, nämlich zum Anmeldeformular für die Schwedenfreizeit und von dort in eine Endlosschleife. Ich denke, Matthias wird sich freuen, wenn Du ihn aufmerksam machst (ich freue mich jedenfalls über jeden Fehlerhinweis zur Seite http://www.versoehnung.org.

    Gesegnete Weihnacht wünscht
    Hans Martin

    • admin sagt:

      Hallo Hans Martin,
      danke für dein Feedback. Es handelt sich übrigens nicht um einen Fehler. Nach ein paar Sekunden wechseln die Meldungen oben auf der Startseite. Wenn man hier zu spät auf weiter klickt, landet man natürlich auf der nächsten Meldung.

      Viele Grüße,
      Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.